Selbstversorgung im Westpazifik

Eine Kraut-Reise mit dem Segelboot
zu abgelegenen Inseln und ihren Anbauweisen

Tanna/Vanuatu – In einem abgelegenen Dorf verkaufen Frauen bei einem kleinen Markt Kassava und gebratenen Fisch. Wir werden eingeladen uns zu einem Grüppchen auf eine geflochtene Matte zu setzen. Eine ältere Frau spricht uns in perfektem Englisch an, ihr Name bedeutet „raschelnde Blätter in Bäumen“. Sie war schon zwei Mal in Europa: als Teil der Delegation Vanuatu ist sie zum Terra Madre Festival der Organisation Slow Food gereist.

Wir sind im Mai 2018 zu einer 10-monatigen Segelreise aufgebrochen. Unsere Reise führte uns von Neuseeland, über die Inselstaaten Vanuatu, Solomonen und Papua Neu Guinea in den Süden der Philippinen. Es war auch eine Forschungsreise: Wie leben die Menschen in den abgelegenen, naturbelassenen Gegenden der Welt? Wieviel von unseren Phantasien über sogenannte Naturvölker ist wahr?

Vanuatu – zwischen Erdöfen und mobilem Internet

Kitchen House auf Erromango

In Vanuatu finden wir eine interessante Kombination: Die Menschen Leben fast überall in ihren traditionellen Dörfern. Sämtliche Gegenstände des alltäglichen Lebens sind aus Naturmaterialen gefertigt: Häuser bzw. Hütten, Kanus, Körbe, Taschen und Matten. Gegessen wird von Palmblättern, als Tasse dient ein Stück Bambusrohr. Oft dachte ich: XY kann man sicher nicht aus Naturmaterialen herstellen! Immer wurde ich eines besseren belehrt. Nur die Kleidung ist westlich: T-Shirt und Shorts. Traditionelle Penis-Köcher und Faser-Röcke werden nur noch in speziellen Gruppen zur Pflege der Traditionen getragen, ähnlich einem Trachten-Verein.

Gedeckter Tisch mit purer Natur

Gleichzeitig ist das Umweltbewusstsein sehr augeprägt, wie die Begegnung mit „raschelnde Blätter“ zeigt. Die Regierung investiert viel in Aufklärungsarbeit. Seit 1.7.2018 sind in Vanuatu Plastiktüten verboten. Der Chief des Dorfes „Port Resolution“ fordert die Segler auf, keine Geschenke zu machen, die Müll hinterlassen und verweigert die Annahme der mitgebrachten Müllbeutel. Nirgends liegt Plastik herum. Müll wird immer im Dorf gesammelt und verbrannt.

Vanuatu scheint die Industrialisierung ausgelassen zu haben und ist direkt in eine umweltbewusste Moderne gesprungen. Tourismus ist dabei die wichtigste Einnahmequelle, wobei der Großteil der Bevölkerung außerhalb der Geldwirtschaft als Selbstversorger lebt. Die dazu notwendigen Fähigkeiten werden beherrscht und an die Kinder weitergegeben.

Papua Neu Guinea – Ursprüngliche Inseln und korrupter Staat

Chief Patrick stellt Kokosöl her

Chief Patrick von Nissan Island ist 80 Jahre alt und ein herzlicher, weiser Mann. Er organisiert einen Tauschmarkt für uns: Wir bringen Mehl, Reis, Angel-Equipment und finden einen großen Tisch voller Obst und Gemüse und eine neugierige Dorfgemeinschaft.

In PNG segeln wir nur auf einige abgelegene Atolle im Norden des Landes. Wir finden stabile Dorf-Strukturen und eine komplette Selbstversorgung. PNG könnte aufgrund seiner Bodenschätze eines der reichsten Länder Welt sein, doch der Abbau wird von ausländischen Firmen und korrupten Politikern betrieben. Bei der Bevölkerung kommt nichts an. Auf die abgelegenen Außeninseln kommt kein Versorgungs-Schiff.
Einzige Ausnahme: In einem fünf Meter langen Banana-Boat erreicht eine Gruppe von Männern den Strand von Longan. Sie kommen aus Lorengau und sind 350km auf offenem Meer gefahren. Es sind illegale Flüchtlinge aus dem Iran, die Australien nach PNG abgeschoben hat und ein ehemaliger Bewohner der Insel, der eigentlich in Lorengau im Gefängnis sitzt. Die Regierung schickt sie mit ein paar Säcken durchweichtem Reis, der Häftling wurde zur Navigation mitgeschickt. Die lebensgefährliche Reise wollte man wohl nur den Flüchtlingen zumuten.

Schweine lieben Kokosnuss

Die Bewohner der Atolle versorgen sich komplett selbst. Sie bauen Kokosnüsse, Bananen, Papayas und Melonen an. Außerdem Kürbis, eine Art Zucchini, Tomaten, Auberginen und Kulau, Süßkartoffeln. Alle Samen werden selbst gewonnen und die Jungpflanzen nachgezogen.
Die Auswahl ist begrenzt, aber sie haben einen klimatischen Vorteil: Das Grün der Süßkartoffeln wird nach der Ernte einfach in die aufgehäufte Erde gesteckt und nach drei Monaten können mehrere Kartoffeln von enormer Größe geerntet werden. Ein Traum für deutsche Gärtner. Vegetarier sein ist hier kein Thema: ohne Hühner, Schweine und vor allem Fisch ist das Überleben kaum möglich. Alle Tiere ernähren sich von Kokosnüssen. Auf manchen Inseln wird auch der Trinkwasser-Bedarf mit Kaukau, den grünen Kokosnüssen, gedeckt und jeder stellt selbst Kokosöl her.

Philippinen – Traumhafte Strände und verlorenes Wissen

Immer mehr Plastik schwimmt im Wasser auf unserer Reise nach Westen. Flipflops, Plastiktüten, Styropor. Die Ankunft auf den Philippinen ist erschreckend: Nur die Strände der Touristen-Resorts sind nicht mit Plastik bedeckt. Chips und Süßkram wird in Kleinst-Verpackungen verkauft. Der Inhalt strotzt vor Glutamat und Chemikalien. Viele Menschen sind übergewichtig und haben starke Akne. Ein seltsames Bild nach Monaten der puren Natur. Auf dem Markt wird jede Gemüsesorte einzeln in zwei Plastiktüten verpackt. Mit unseren mitgebrachten Tüten stoßen wir auf völlige Verständnislosigkeit.

Wenn wir durch Siedlungen gehen wird klar, dass die alten Fähigkeiten zur Selbstversorgung fast verloren gegangen sind. Die Hütten sind aus Wellblech zusammen geschustert und die Menschen haben den Gemüse-Anbau verlernt und sind so in die Mühlen der Geldwirtschaft geraten. Mit ihren offensichtlichen Verlierern. Eine Frau am Wegesrand sagt beschämt: „Wir sind arme Leute“. Zum ersten Mal erscheint Einfachheit als Armut.

In Kaputian, Samal Island, treffen wir auf eine russische Community von Roh-Veganern. Sie sind ausgewandert, um ganzjährig Gemüse und Obst anbauen zu können. Ihre Augen strahlen klar, die Babys krabbeln nackig am Strand herum.

Was nehmen wir mit nach Deutschland?

Tanz & Trommel und selige Naturverbundenheit haben wir nicht gefunden. Dazu haben Missionare und Katholizismus zu tiefe Spuren hinterlassen – allerdings wurden wir deshalb auch nicht verspeist auf unserer Reise. Gerade für wilde Frauen und Revoluzzer wäre das Leben in den festen sozialen Strukturen dieser Dörfer wohl schwer. Doch die Menschen strahlen eine ganz tiefe Ruhe aus, mit Augen, Stimme, Körper. Ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft überwältigt uns.
Was die Selbstversorgung angeht sind wir schwer beeindruckt. Wir sind inspiriert und erinnern uns: Auch in Deutschland können Menschen mit Weidenruten flechten und Dächer werden mit Schilf gedeckt. Die Lust ist groß es auszuprobieren.
Das Leben ohne Supermarkt ist einfach. Über die Monate sind fast alle verarbeiteten Lebensmittel von unserem Boot verschwunden und wir vermissen sie nicht.

Und ab und zu holen wir uns einen Ketchup-Kick.

Andreas, Krankenpfleger und Imker, segelt seit 30 Jahren. Judith Pädagogin und Gestalttherapeutin, begleitet ihn seit 2018.
In Deutschland leben sie im Projekt Krautkreise – Konzentrum für Permakultur und Gemeinschaft.


Geodome

Lust einen Geo-Dome zu bauen
und keine Ahnung wie das geht?

Wir waren auf der Suche nach einem erschwinglichen Gewächshaus mit großer Fläche und sind dabei auf die Geodesic Domes gestoßen.

Viele verkünden, dass die Domes total einfach zu bauen sind und sehr wenig Materialkosten mit sich bringen. Bei genauerem Hinsehen, stellte sich die Sache dann doch als kompliziert heraus.

Wie bekommt man die trigonomische Krümmung in die Latten? Wie verbindet man die Latten miteinander, stabil und im richtigen Winkel? Wie ist die Folie anzubringen?

Fakt ist: Der Dome ist durch seine Konstruktions-Form extrem stabil und bringt die größte Fläche im Verhältnis zum verwendeten Material. Beispiel: Ein Dome mit 6m Radius hat eine Grundfläche von 25qm. Es gibt viele verschiedene Bau-Techniken.

1. Hub & Strutt, Panelized oder hubless Strutt?

Zu Deutsch: Latte & Verbindungsstück oder direkt verschraubte Dreiecks-Panels?

Bei Hub & Strutt müssen die Latten zwar in unterschiedliche Längen zugeschnitten werden, aber an den Enden müssen keine Winkel eingesägt werden. Das spart viel Zeit. Stattdessen gibt es sternförmige Verbindungsstücke (hubs), die sowohl die Krümmung der Kugel, als auch die Winkel zwischen den Latten übernehmen. Diese Hubs kosten allerdings viel Geld und/oder sind sehr kompliziert selbst zu machen.

Bei der Methode ohne Verbindungsstück, werden Dreiecke vorgefertigt und dann miteinander verschraubt. Dafür müssen in jede Latte 3-4 Winkel geschnitten, was extrem viel Arbeit ist. Außerdem doppeln sich die Materialkosten, da jede Strebe aus zwei Latten besteht.
Will man die Material-Doppelung vermeiden, lassen sich die angeschrägten Latten mit Flachdübeln verbinden, wie es die Sonnenschmiede gemacht hat

Zuschneiden der Winkel: https://www.youtube.com/watch?v=thehzifMse4
Dome-Bau der Sonnenschmiede: https://www.youtube.com/watch?v=uS17uaoMdJA

Man kann einen Dome auch aus Leitungsrohren aus Metall machen (conduit pipe). Die Rohre schneidet man mit der Flex zu, schlägt dann mit dem Hammer das Ende Platt, biegt es im notwendigen Winkel und bohrt ein Loch hinein. Dazu braucht man viel Werkzeug und die Verbindungen sind meiner Meinung nach nicht für Gewächshaus-Folie geeignet.

Eigenbau der Pipe Strutts: https://www.youtube.com/watch?v=gLIhOglrbmI

2. Kalkulation der Maße: Frequency: 2V, 3V, 4V

Auf folgenden Seiten kannst Du Deine Dome Maß berechnen:

http://geo-dome.co.uk/
http://www.domerama.com/
http://acidome.ru/

Frequencies sind die Reihen von Dreiecken, die vertikal übereinander liegen. Das Pentagon oben im Zentrum wird nicht mitgezählt. Besteht der Dome aus 2 Reihen, wird er 2V genannt usw. Je mehr Reihen, desto kürzer werden die Latten und umso mehr Latten brauchst Du.

Wir planen einen Dome aus Latten, die wir aus alten Paletten recyclen. Da die Latten dann maximal 1m lang sind, brauchen wir also eine 3V Konstruktion und viele Latten.

Mit den Calculation Tools kannst Du Radius, Durchmesser, Umkreis, Höhe des Domes berechnen. Außerdem wichtig: Die Länge der Latten, der Krümmungswinkel auf der Kugel und die Winkel der sternförmigen Verbindungsstellen.

3. 1/2 oder 5/8 oder 5/9 Dome

Die Halbkugel läuft an den Rändern flach zu. Will man das vermeiden, kann man den Dome auf ein Fundament aufsetzen oder sich für mehr als die halbe Kugel entscheiden, zB 5/8 der Kugel. Dabei ist der Boden-Umkreis schon wieder leicht verengt, was die Grundfläche verkleinert.

4. Unser Dome

Wir haben uns für Holzlatten und die Hub & Strutt Methode entschieden. Als Hubs verwenden wir 5- oder 6-eckige Scheiben. In die Latten werden an beiden Enden Einschnitte (im Krümmungswinkel) gemacht, so dass man die Latte dann auf die Scheibe stecken kann.
Diese Methode scheint für uns am wenigsten Zuschneide-Arbeit.

Projekt in Marokko: https://www.youtube.com/watch?v=OfnebKQ1sus